Sonntag, 3. August 2014

Auf der Jagd

Jeder Muskel ist angespannt. Der Schweiß steht mir auf der Stirn. Adrenalin schießt durch meinen Körper. Denn ich bin...auf der Jagd! Da! Das Raubtier hat bereits die halbe Höhe des Kräuterbeets erklommen! Nicht mehr lange, dann erreicht es die obere Kante und stürzt sich auf die Minze... jetzt darf ich es nicht aus den Augen lassen....denn es ist: die Killerschnecke!!! 

Wird sie es schaffen???
Gut, die Geschichte geht ein bißchen anders. Ich sitze gemütlich auf der Terrasse mit einem Glas Weißwein, den Laptop auf dem Schoß, und stehe alle 10 Minuten auf, um nachzusehen, was die beiden Nacktschnecken treiben, die den Gürtel aus Schneckenkorn rund um das Kräuterbeet durchbrochen haben, so machen. Hallo? Keinen Hunger auf eine kleine Vorspeise? Obwohl ich der Schafwolle, über die ich schon begeistert berichtet habe, recht vertraue, streue ich gelegentlich Schneckenkorn um das Beet, weil das Wetter in diesem Sommer ja doch recht feucht ist, und die Schnecken in noch größeren Mengen in unseren Garten einfallen als normalerweise. Sicher ist sicher. Unser Garten grenzt an 2 Seiten an eine Bauernwiese (wofür ich eigentlich sehr dankbar bin - wir sind nicht völlig von Häusern umzingelt), und Ihr glaubt nicht, was sich da an der Grundstücksgrenze abends abspielt. Hunderte Nacktschnecken fallen in unseren Garten ein! Nachbarn berichteten mir sogar von Nacktschnecken, die in Scharen die Hauswand hinaufklettern. Uggs, geht's noch grauslicher? 
Zum Glück fressen die Schnecken offensichtlich auch Pflanzen, die mir nicht abgehen. Und das Gemüse in den Hochbeeten ist weitgehend durch eine Schneckenbarriere geschützt, das funktioniert sehr gut. Gelegentlich finde ich kleine Schnecken, die aber mit der Erde eingeschleppt sein dürften, und die keinen großen Schaden anrichten, sondern nur ein bißchen mitnaschen. 

Das Kräuterbeet habe ich eben bisher nur mit den Schafwollpellets geschützt. Dieses Jahr habe ich allerdings erstmals trotz der Wolle gelegentlich Schnecken im Kräuterbeet gesichtet. Und meine Schwester, an die ich die Wolle weitergegeben hatte, berichtete mir von völlig abgefressenen Salatpflanzen! Das Problem ist, dass die Wolle immer dicht und feucht sein muss, denke ich. Und: es darf nichts über den Rand hängen! Ich habe schon eine Nacktschnecke gesehen, die halb auf der Hauswand, halb auf einer Tomatenpflanze hing, bereit zum Absprung. Erstaunlich geschickt, die blöden Viecher! Daher helfe ich manchmal mit dem eisenhaltigen "Bio" - Schneckenkorn nach und untersuche auch mal das Beet nach Schnecken und Schleim- und Fraßspuren. Ich bin immer noch begeistert von der Wolle, aber irgendwie ist das auch keine Dauerlösung. Sie hält zwar eine Saison, aber man muss sie doch jedes Jahr erneuern. Ich denke, ich werde doch auch beim Kräuterbeet eine Blech-Barriere wie bei den großen Hochbeeten installieren. Bei diversen Anbietern (z.B. Manufactum, Biber) gibt es Bausätze.

Uije! Sie hat es doch glatt geschafft!
Ach, ja - über Tipps wie "Bierfallen" und "Schnecken abends absammeln" kann ich nur verärgert grunzen. Da steht nie, was man dann mit den Schnecken machen soll. Zerschneiden ist auch keine gute Idee, weil das weitere Nacktschnecken anlockt (sie schrecken nicht nur vor meinem Salat nicht zurück, sondern auch nicht vor Kannibalismus). Außerdem - würde ich das machen, hätte ich nichts anderes mehr zu tun, als Schnecken einzusammeln. Ich kann mir nettere Abendbeschäftigungen vorstellen.

Ich überlege allerdings, an der Grundstücksgrenze einen Kupferzaun zu installieren. Angeblich soll das die Schnecken abhalten. Hat jemand damit Erfahrung?

P.S.: Das "Bio" - Schneckenkorn klingt zwar lieb, bringt die Schnecken aber natürlich auch um (wogegen ich, zugegeben, nichts habe). Das Praktische daran - sie hinterlassen keine grausliche Schleimspur, und es gibt keine Leichen. Zumindestens keine sichtbaren. Denn nach dem Fressen dieses Schneckenkorns wird den Tierchen schlecht, und sie verkriechen sich freundlicherweise in irgendwelche Verstecke zum Sterben. Und - es ist nicht giftig für Haustiere und Igel etc. Allerdings ist es nicht gerade billig, und daher auch keine Dauerlösung.

Dieser Schnecke ist, glaube ich, schlecht geworden. Auf jeden Fall sucht sie erfreulicherweise das Weite.

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